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Weihnachtsgeschichte

I’m driving home for Christmas
Oh, I can’t wait to see those faces*

Nach Hause (zu den Eltern, Großeltern, den besten Freunden, der Wahlfamilie) zu fahren, das Jahr hinter sich zu lasssen und die Lieben fest in die Arme zu schließen. Das wünschen sich gerade dieses Jahr wohl die allermeisten Menschen. Und doch, es geht nicht. Jedenfalls nicht einfach so. Oder es geht vielleicht auch gar nicht mehr. Denn hinter den Zahlen, die uns das RKI jeden Tag meldet, stehen Menschen. Und demnach sind bis heute, den 22. Dezember 2020, bereits 27.006 Menschen an oder mit Corona verstorben. Menschen, die für andere Ehepartner, Geliebte, Söhne, Mütter, Opa, Tante, bester Freund waren. Die Menschen hinterlassen, die trauern. Und so geht es für uns, die  – vermeintlich – gesund sind, darum, uns selbst, die, die uns am Herzen liegen, aber auch das Gesundheitssystem und damit uns alle, zu schützen. Das gelingt am besten, in dem wir eben möglichst nicht „nach Hause fahren“. Denn das Virus ist tückisch. Sein Wirt ist hochinfektiös bevor er oder sie (wenn überhaupt) Symptome zeigt. Und doch sollte Verständnis für jeden bestehen, der unter den größtmöglichen Sicherheitsvorkehrungen – etwa Schnelltests vor einem Besuch und  Einhalten der Schutzmaßnahmen wie Händewaschen, Lüften und Masketragen – dennoch die Eltern oder die beste Freundin sehen möchte. Denn zum einen kann es bei dem einen oder anderen sein, dass – vollkommen unabhängig von Covid19 – die Zeit verrinnt und jedes Treffen das Letzte sein kann. Und zum anderen kann die Seele nach diesem Jahr, den einen Besuch – unter allen Sicherheitsvorkehrungen – so nötig haben, dass ein Verzicht auch kein Lösung darstellt. Derartiges hinfort zu wischen und auf „nächstes Jahr“ oder „bald“ zu verweisen, ist immer leicht (gerade auf Twitter, looking at you!), wenn man selbst in keiner dieser Situationen steht.

In allem Grau ist leises Licht

Aber es gibt ihn ja, in all dem Grauen, den Silberstreif am Horizont. Vorgestern hat die EMA bekannt gegeben, dass sie den Impfstoff von BioNTech und Pfizer in Europa zur Zulassung empfiehlt. Gestern hat die EU-Kommission ihr „Go“ geben. Und das bedeutet, dass in wenigen Tagen in ganz Europa die Impfungen gegen Covid19 starten können! Hurra! Ja, es werden zunächst „nur“ die Vulnerabelsten und die im Gesundheitssystem beschäftigten geimpft werden. Und womit? Mit Recht! Alte Menschen tragen das größte Risiko für schwere Verläufe und die Ärztinnen und Pfleger tragen das größte Risiko für eine Ansteckung. Und ohne sie… sind wir am Arsch. (Ja, das muss man genauso schreiben.) Vor allem, wenn Ärzte und Pflegerinnen außer Lavendel, leeren Tassen und harten, ungenießbaren Lebkuchenherzen schon nichts als Anerkenntnis für deren herausragende Leistungen (nicht nur zu Corona-Zeiten) bekommen, dann muss wenigstens die Frontline bei der Impfung drin sein. Davon abgesehen darf man im Hinblick auf die Impfung auch einfach mal staunend vor diesem wissenschaftlichen Wunder bzw. der Leistung der VirologInnen, MedizinerInnen, BiologInnen, ChemikerInnen und all den anderen, die es für die Entwicklung eines Impfstoffes braucht, stehen. Ein Impfstoff in weniger als Jahresfrist. Wow.

Und das ist nicht der einzige Lichtblick. Im Januar wird in den USA wieder ein Mann als Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt, der in seinem langen beruflichen Leben bereits unter Beweis gestellt hat, dass für ihn Fakten, Wissenschaft und Ratio die Basis des Handelns darstellen. Er wird nicht der Messias sein und Europa wird sich auf harte politische Verhandlungen einstellen müssen. Aber hey! Man kann wieder über politische Verhandlungen sprechen!

Die Zeiten sind also dunkel. Aber pünktlich zur Wintersonnenwende scheint leise das Licht. Und ich glaube, dahin sollten wir uns alle wenden. Gerade in  einer Weihnachtszeit, die weit stiller und besinnlicher sein wird, als sie es sonst zwar auch immer sein soll, aber vor lauter „Wann fahren wir denn bloß auch noch zu Tante Inge?„, „Denk dran, um 17.00 Uhr sind wir bei Onkel Karl-Heinz und um 19.00 Uhr müssen wir bei Deinen Eltern sein!“ und „Muss Dein Bruder mit seiner Familie wirklich auch noch kommen? Ihr versteht Euch doch eh nicht!“ doch nicht ist. Man könnte sagen, die erzwungene Besuchsenthaltsamkeit hat auch etwas Gutes.

Wir brauchen alle eine Pause

Dazu brauchen wir alle eine Pause.** Ein ganzes Jahr war geprägt von diffuser Angst vor dem Unbekannten und großer Sorge. Und das neben dem beruflichen wie privaten Alltag und all den Schwierigkeiten, den dieser eben so mitbringt. Der übliche Ausgleich wie das Treffen mit Freunden, der Theaterbesuch oder das Sporttraining im Verein fiel hingegen weg.


Btw, so sieht übrigens die Besprechungsecke in meinem Büro aus. Eigentlich stehe ich ja mindestens zwei Mal die Woche in einer Turnhalle. Seit November findet das Training wieder per Zoom statt. (An dieser Stelle ein großes „Danke“ an unseren Trainer, der große Mühe in das Training investiert -gleich ob in der Halle oder digital.) Und während ich am Anfang des 2. Lockdowns Tisch und Stühle noch jedes Mal hin und her räumte, sah ich recht schnell ein, dass dies vergebene Liebesmüh ist, da ich schließlich nicht nur meine Trainingsgruppe nur noch auf den Kacheln sehe, sondern auch die Mandanten. Tja nun.  (Aber ich wette, mein Büro ist nicht das Einzige, das inzwischen so aussieht.)


Diese ständige Unsicherheit und der fehlende soziale Ausgleich zerren an den Nerven. Und ich kenne niemanden, der von den Anforderungen dieses Jahres unbeeindruckt blieb. Deswegen sollten wir alle nicht nur nett zu einander, sondern vor allem auch zu uns selbst sein und einfach mal tief seufzend sagen „Das war anstrengend!“. Dabei sollten wir vielleicht aber auch  auf der Couch an den Keksen knabbern und überlegen, was denn in diesem Jahr – trotz allem – schön war.

War es nicht auch trotzdem vielleicht ein schönes Jahr?

Kekse knabbernd darf ich persönlich persönlich feststellen, es war  – trotz allem – gutes Jahr. Zunächst einmal sind meine Familie und Freunde bis jetzt alle gesund geblieben oder hatten milde Verläufe. (Fingers crossed!). Dann gibt es eher selten Jahre, in denen man Klopapier zum Geburtstag geschenkt bekommt und in denen das Wohnzimmer regelmäßig zur Turnhalle wird. Was zwar den Mann nicht erfreut, die kleine Tochter aber um so mehr. Und zwischenzeitlich durften wir unter Auflagen auch in die Halle. Endlich wieder an den Geräten mit dem Trainer und seinen preisgekrönten Sätzen wie „Nina, jetzt sei nicht so schwierig. Denk nach unten und mach!“ daneben. :D. Und vor allem auch live und in Farbe mit J., J., S., S., L., A., C., K. und allen anderen. Jetzt steht zwar erneut das Kacheltraining auf dem Plan. Doch auch da sind die liebevollen Sätze wie „Lass den Arm doch einfach lang. Man kann Arme und Beine getrennt von einander bewegen.“ aus der Box zu vernehmen. 😀 Und man sieht mal andere Menschen auf dem Monitor als die Business-Kontakte. Kurz: All das Jahr blieb auch die Möglichkeit des sportlichen Ausgleichs im Verein. Irgendwie. Dazu hatten wir das Glück, unseren Sommerurlaub genau in der Zeit und in den Ländern (Tirol und Südtirol) sowie in der Art (hochalpines Wandern) geplant zu haben, der uns mit der Pandemie-Lage vereinbar schien und in der das Coronavirus uns ohnehin alle in unserem naiven Glauben bestärkte, es werde alles gut werden.

Es gab also – trotz allem – viele schöne Momente.

Und auch beruflich hatte ich ein gutes, nein, ein sehr, sehr gutes Jahr. Es begann mit dem Wechsel zu MÖHRLE HAPP LUTHER. Dem folgten interessante Monaten mit vielen Einblicken, dem Eindruck, dass ich fachlich wie menschlich gerne dort arbeite, aber auch der relativ zügigen Erkenntnis, dass meine Vorstellungen von einem Arbeitsumfeld doch andere sind. In der Konsequenz öffneten sich am 16.08. die wieder Türen der Anwaltskanzlei Diercks. War der Wechsel nun ein vermeidbarer Fehler? Klares Nein. Ich hätte mich ewig „Was wäre wenn…“ gefragt. Die Frage ist nun beantwortet. Dazu ist nun alles sogar besser als vorher. Zum einen haben wir ein sehr schönes, ruhiges Büro mit samtgelben Sofas und einem sonnigen Balkon für die Kaffeepause sowie genügend Platz für ein Airtrack 😉 (Siehe oben). Zum anderen – und das ist viel wichtiger – konnten wir Rechtsanwältin Ulrike Berger, die bei MHL zu uns stieß, davon überzeugen mit uns gemeinsam „zurück“ zu gehen. Damit haben wir nicht nur eine fachlich ausgezeichnete Kollegin, sondern auch gleich noch ihren großartigen Humor dazu gewonnen (der, man mag es kaum glauben, noch trockener ist als der, der besten Assistenz der Welt). Und des Weiteren habe ich zwar KollegInnen „zurückgelassen“, aber mindestens einen Freund gewonnen.

Doch was wäre eine Anwaltskanzlei ohne Mandanten? Genau. Nichts.

Ihnen, unseren Mandanten, gebührt deswegen an dieser Stelle großer Dank. Für das Vertrauen. Für die Treue. Und ganz besonders für die Geduld, wenn wir aufgrund von Kapazitätsauslastungen mitteilen mussten, dass eine zeitnahe Bearbeitung bei dieser im juristischen Sinne nicht eiligen Angelegenheit gerade nicht möglich ist und Sie trotzdem sagten „Wir wollen das aber unbedingt mit Ihnen machen.“. Danke dafür! Wir freuen uns schon jetzt auf die weitere Zusammenarbeit im Jahr 2021!

Auch dieses Jahr haben wir kein Foto für Sie!

Und wie jedes Jahr gilt, dass unsere Mandanten, Geschäftspartner und Geschäftsfreunde keine Weihnachtskarten und kleine Präsente erhalten werden. Die dafür notwendigen Aufwendungen spenden wir lieber denen, die eine Unterstützung dringend notwendig haben. Und zwar zum einen an die Stiftung Mittagskinder (mehr zu den Mittagskindern aus meiner Feder auch: hier) und zum anderen an Hinz & Kunzt, der Hamburger Obdachlosenzeitung, die sich insgesamt stark gegen Obdachlosigkeit und für soziale Projekte in der Stadt einsetzt. Daneben geht noch eine monatliche Spende an eine Grundschule bei mir im Stadteil, mit der Müsli für die Nachmittagsbetreuung angeschafft wird. Denn für einige Kinder dort ist das Müsli zugleich das Abendbrot.

In diesem Sinne,

wünsche ich Ihnen,

dass Sie zwischendurch auf der Couch sitzen und sagen können „2020 war Mist. Kann weg. Aber irgendwie hatte selbst dieses Jahr seine schönen Momente.“,

dass Sie dabei der Geist der Weihnacht umwehen möge (gleich ob christlichen, jüdischen, muslimischen, sonstigen oder gar keinen Glaubens, der Geist der Weihnacht ist universal) und

dass Sie gesund bleiben oder schnell genesen.

Frohe Weihnachten!

*Chris Rea, Driving Home for Christmas

**Den im Gesundheitssektor beschäftigten ÄrztInnen, PflegerInnen und LabormitarbeiterInnen und sonstigen tragenden Säulen, die keine Pausen machen können, wünsche ich von Herzen, dass sie alle irgendwann, möglichst bald, auch Zeit für eine solche Pause erhalten werden.

Wir schreiben den Abend des 20.12.2018. Eigentlich wollte ich seit Mittwochnachmittag pünktlich zu den Ferien mit den Kindern in den Weihnachtsferien sein. Aber wie das Leben halt so ist, man macht Pläne und es kichert einmal. Dabei kann ich verstehen, dass es die fiese Klette (ausgewachsenes Monster-Dreadlock), die sich meine große Tochter zulegte, verschweigte und welche schließlich zu einem Notfall-Friseurbesuch (kein Witz) führte, zum Kichern findet. Weniger verstehen kann ich, dass es wohl auch noch lustig fand, meinen Papa kurz vor Weihnachten mit unschönen Symptomen ins Krankenhaus zu schicken. (Er ist wieder „okay“). Wobei darüber kichert das Leben vermutlich gar nicht. Es denkt gar nicht darüber nach. Denn Leben, Krankheit, Tod. All das gehört zusammen. Nur wir, wir hetzen (zu oft) durch das Leben.

Höher, schneller, weiter. Kaufen Sie kein Weed man, kaufen Sie Jamaica!*

 

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Man sollte doch zumindest annehmen, dass am 22.12. so langsam diese Weihnachtsstimmung aufkommt oder? Dieses Gefühl von Ruhe und von Heimeligkeit. Und zwar unabhängig davon, welcher Religion man angehört. Schließlich können Kerzen, Kekse, Punsch, Misteln und der Geruch von Tannengrün doch gar nichts anderes als Gemütlichkeit in der dunklen Jahreszeit ausstrahlen. Die Tage werden nicht hell, die Abende sind lang, doch Tee und Schokolade auf der Couch bieten die besten Voraussetzungen, um im wahrsten Sinne des Wortes zur Besinnung zu kommen und besinnlich zu werden.

Nun Meine Weihnachtsstimmung sah bis einschließlich gestern eher ungefähr so aus: Theoretisch vorhanden. Tatsächlich eher kahl bemüht, statt wahrlich besinnlich in Vorfreude.

Ich weiß  nicht, wie es Ihnen geht und Sie dieses Jahr erlebt haben, aber wenn ich zurückblicke, dann ist dieses Jahr nur so davon gerast. Und hat mich zu Weilen in seinen Wirbeln mitgerissen. Freunde von mir berichten das Gleiche. Werden wir alle einfach immer älter? Nimmt darum das Empfinden, die Zeit würde immer schneller vergehen, zu? Oder liegt es an  unserer digitalen Gesellschaft, in der der ewig währende Strom aus Neuigkeiten und Schrecklichkeiten unaufhörlich dahinwälzt, in der es immer blinkt und pingt? Nicht nur befeuert von den letzten Tweets des zunehmend verwirrten MAGA-Mannes und Meldungen zu dem scheinbar zunehmend irren Weltgeschehen, sondern natürlich von den eigenen Status-Updates zum letzten Craft-Beer-Tasting, der Bestzeit beim Triathlon, dem neu gewonnenen Kunden und den selbst gebackenen Keksen.* Höher, schneller, weiter. Kaufen Sie kein Weed man, kaufen Sie Jamaica!

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Diercks Digital Recht

 

Nina Diercks (M.Litt, University of Aberdeen) arbeitet seit 2010 als Rechtsanwältin. Sie führt die Anwaltskanzlei Diercks in Hamburg. Die Anwältin berät und vertritt Unternehmen bundesweit, ist jedoch ausschließlich im IT-| Medien-| Datenschutz und Arbeitsrecht tätig. Daneben steht die Nina Diercks gern und oft als Referentin auf der Bühne sowie als Interviewpartnerin und Gastautorin zur Verfügung. Dazu hat sie im Jahr 2010 diesen Blog (früher: Social Media Recht Blog) ins Leben gerufen. Mehr

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